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    Er ist wieder da:ix-2

    时间:2019-03-15来源:互联网 字体:[ | | ]  进入德语论坛
    (单词翻译:双击或拖选) 标签: ix
    Jedenfalls lag dieses Medium politisch vollkommen brach. Wenn
    man in den Fernsehapparat hineinsah, schien das Einzige, was diese
    Regierung für das Volk getan hatte, eine Maßnahme zu sein, die sich
    »Harzvier« nannte und die niemand leiden konnte. Der Name jener
    Maßnahme wurde prinzipiell in einem beleidigten Tonfalle
    ausgesprochen, und ich konnte nur hoffen, dass diese Menschen
    keinen zu großen Teil der Gesellschaft ausmachten, denn ich konnte
    mir selbst unter Zuhilfenahme größter Phantasiereserven keinen
    Fahnenappell auf dem Nürnberger Zeppelinfelde mit
    Hunderttausenden solcher Jammergestalten vorstellen.
    Auch konnte ich die Verhandlungen mit der Dame Bellini als Erfolg
    verbuchen. Ich hatte von vorneherein keinen Zweifel daran gelassen,
    dass ich neben Geld auch einen Parteiapparat, ein Parteibüro
    benötigte. Die Bellini wirkte zunächst ein wenig überrascht, hatte mir
    dann aber sofort rückhaltlose Unterstützung zugesichert, ein Büro
    sowie eine Schreibkraft. Es gab eine beträchtliche Spesenpauschale
    für Kleidung und Propagandareisen, für Forschungsmaterialien, die
    mich auf den aktuellen Wissensstand bringen sollten und mancherlei
    mehr. Finanzielle Mittel schienen kein Problem zu sein, eher die
    Einsicht in die repräsentativen Notwendigkeiten eines Parteiführers.
    So wurden zwar mehrere »historisch originalgetreue« Anzüge bei
    einem exklusiven Maßschneider ebenso zugesagt wie auch mein
    geliebter Hut, den ich auf dem Obersalzberg und in den Bergen so
    gerne getragen hatte. Ein offener Mercedes-Wagen mit Chauffeur
    hingegen wurde mir glattweg abgeschlagen mit der Begründung, das
    wirke doch reichlich unseriös. Ich gab zögernd nach, aber nur um den
    Schein zu wahren – hatte ich doch bereits wesentlich mehr erreicht,
    als ich hoffen durfte. Insofern war, gerade in der Rückschau besehen,
    dies sicherlich der gefährlichste Moment meiner neuen Laufbahn, und
    jemand anderes hätte sich hier womöglich schon im Lehnstuhle
    zurückgelehnt und wäre solcherart auf ganzer Linie gescheitert, allein
    ich unterwarf, vielleicht auch dem reifen Alter geschuldet, permanent
    die Entwicklungen der unbarmherzigsten, kältesten Analyse.
    So war etwa die Zahl meiner Anhänger gering wie niemals zuvor.
    Und ich kann weiß Gott aus meiner Vergangenheit auf geringe
    Anhängerzahlen verweisen, ich erinnere mich durchaus, damals 1919,
    bei meinem ersten Besuch der damals noch Deutschen Arbeiterpartei,
    auf etwa sieben Leute gestoßen zu sein. Heute jedoch konnte ich nur
    auf mich selbst zählen, in Grenzen vielleicht auch noch auf die Dame
    Bellini oder jenen Kioskbesitzer, es durfte aber bezweifelt werden, ob
    beide schon reif waren für einen Parteiausweis, ganz zu schweigen
    von ihrer Bereitschaft, Mitgliedsbeiträge zu zahlen oder auch einmal
    mit dem Stuhlbein in der Hand den Saalschutz zu übernehmen.
    Insbesondere der Kioskbesitzer schien mir im Grunde sogar liberal
    oder auch linksorientiert, wenn auch mit einem ehrlichen deutschen
    Herz versehen. Insofern widmete ich mich auch weiterhin diszipliniert
    meinem eisernen Tagesplan. Ich stand gegen elf Uhr vormittags auf,
    ließ mir vom Hotelpersonal ein oder zwei Stücke Kuchen kommen und
    arbeitete unermüdlich bis tief in die Nacht.
    Das heißt, ich wäre um elf Uhr aufgestanden, wenn nicht schon im
    Morgengrauen etwa gegen neun Uhr das Telefon geläutet hätte und
    eine Dame mit unaussprechlichem slawischstämmigem Namen am
    Apparat gewesen wäre. Jodl hätte derlei nie durchgestellt, aber Jodl
    war leider offenbar Teil der deutschen Geschichte. Ich suchte noch
    schlafvernebelt nach dem Hörer des Apparates.
    »Hrmf?«
    »Guten Tag, hier ist Krwtsczyk«, jubelte eine Stimme von
    unbarmherziger Fröhlichkeit. »Von der Flashlight!«
    Am meisten ärgert mich an diesen Morgenmenschen diese
    entsetzliche gute Laune, als wären sie bereits drei Stunden wach und
    hätten da schon Frankreich überrannt. Zumal die weitaus meisten
    trotz ihrer widerlichen Frühaufsteherei alles andere vollbracht haben
    als Großtaten. Gerade in Berlin sind mir sogar immer wieder
    Menschen begegnet, die gar kein Geheimnis daraus machten, dass
    sie nur deshalb in aller Herrgottsfrühe aufgestanden waren, um noch
    früher das Büro wieder verlassen zu können. Ich habe mehreren
    dieser Achtstundenlogiker schon empfohlen, sie sollten gleich abends
    gegen zehn Uhr das Arbeiten beginnen, dann könnten sie sogar schon
    morgens um sechs wieder nach Hause und kämen dort vielleicht noch
    vor dem Aufstehen an. Manche haben das gar für einen ernsthaften
    Vorschlag gehalten. Ich für meinen Teil bin jedenfalls der Ansicht,
    dass morgens früh nur die Bäcker zu arbeiten haben.
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